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Seltene Erden Ersatzstoffe: Was Substitution heute wirklich leisten kann

14. Oktober 2026
Seltene Erden Ersatzstoffe: Was Substitution heute wirklich leisten kann

Ja, in Teilen lassen sich Seltene Erden ersetzen, aber nur durch eine Kombination aus Substitution, Recycling und Designoptimierung. Materialkandidaten wie MnBi und α"-Fe16N2 zeigen Potenzial, sind aber noch nicht industriell ausgereift. Fraunhofer empfiehlt deshalb eine Dreisäulenstrategie aus Effizienzsteigerung, Recycling und gezielter Substitution, denn keiner dieser Wege allein reicht aus, um den Bedarf an Neodym und Dysprosium spürbar zu senken.


Kurz gesagt:

  • MnBi eignet sich eher für moderate Leistungsanforderungen; α"-Fe16N2 erreicht theoretisch rund 2,8 Tesla Magnetisierung, doch die Pulverherstellung verhindert bislang die industrielle Skalierung.
  • Demonstratoren zeigen vergleichbare Magnetleistungen durch funktionales Recycling; Fraunhofer nennt rund 10 Prozent Beimischung als Ziel, obwohl die Rückgewinnungsrate in Teilen Europas unter einem Prozent liegt.
  • Prüfen Sie Anwendungen nach Temperatur und Leistungsbedarf: Bauteile mit moderaten Anforderungen eignen sich für Substitutionsversuche, hochbelastete Komponenten sollten vorerst bewährte Magnete aus NdFeB behalten.
  • Beim Wechsel auf Ersatzmaterialien oder Rezyklate müssen Unternehmen Herkunftsnachweise und Sorgfaltsberichte ebenso dokumentieren wie bei bisherigen Lieferketten; konkrete Pflichten richten sich nach Regelwerk und Branche.

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Inhaltsverzeichnis

Überblick: Die Hauptkategorien von Ersatzstoffen und Ansätzen

Wer nach Ersatzstoffen für Seltene Erden sucht, landet schnell bei vier unterschiedlichen Lösungswegen. Sie schließen sich nicht gegenseitig aus, im Gegenteil: Die wirksamsten Strategien kombinieren mehrere davon gleichzeitig.

Der erste Weg ist die Materialsubstitution selbst: metallische Ersatzphasen wie Mangan-Bismut-Legierungen, Eisennitrid-Verbindungen oder polymergebundene Magnetwerkstoffe, die ganz ohne Neodym, Dysprosium oder Samarium auskommen sollen. Der zweite Weg betrifft die Konstruktion: Ingenieure reduzieren den Bedarf an schweren Seltenen Erden, indem sie Magnetgeometrien anpassen, Betriebstemperaturen senken oder Legierungsanteile optimieren, ohne die Grundchemie komplett zu ersetzen. Der dritte Weg ist Recycling und Kreislaufwirtschaft: Altmagnete werden zurückgewonnen und so aufbereitet, dass sie einen Teil der Primärproduktion ersetzen. Der vierte Weg liegt in Fertigungsinnovationen wie Netshape-Verfahren, Pulvermetallurgie oder neuen Beschichtungstechniken, die den Materialeinsatz pro Bauteil senken.

Diese vier Kategorien lassen sich grob so zusammenfassen:

  • Materialsubstitution: neue Legierungen und Verbundwerkstoffe ohne Seltene Erden oder mit reduziertem Anteil.
  • Design-Optimierung: geometrische und thermische Anpassungen, die den Bedarf an schweren Seltenen Erden senken.
  • Recycling und Kreislaufwirtschaft: Rückgewinnung aus Altmagneten als Ergänzung zur Primärproduktion.
  • Fertigungsinnovationen: Pulvermetallurgie, Netshape-Technik und Beschichtungen zur Materialeinsparung.

Für Beschaffungsteams ist die praktische Konsequenz einfach: Wer nur auf einen einzigen Hebel setzt, etwa reine Substitution, wird in den meisten Anwendungen enttäuscht. Die Materialien, die heute im Labor funktionieren, sind selten eins zu eins austauschbar gegen bewährte NdFeB-Magnete. Realistischer ist eine Mischstrategie, bei der Substitution dort eingesetzt wird, wo sie bereits reif genug ist, während Recycling und Designoptimierung den Rest des Bedarfs abdecken.

Materialsubstitution: MnBi, α"-Fe16N2 und Tetrataenit im Vergleich

Drei Materialkandidaten dominieren derzeit die Diskussion um REE-freie Permanentmagnete. Alle drei befinden sich in unterschiedlichen Reifegraden, und keiner ist bereits ein vollwertiger Ersatz für Hochleistungs-NdFeB-Magnete.

Mangan-Bismut-Legierungen (MnBi) gelten als der am weitesten entwickelte Kandidat. Das US-Energieministerium fördert über mehrere Programme die Entwicklung polymergebundener Mn-Bi-Magnete, unter anderem mit Beteiligung von ABB. Ziel ist die Herstellung von Magneten aus heimisch verfügbaren Rohstoffen, die in Industriemotoren getestet werden, inklusive Prototyping, Beschichtungsverfahren und einer techno-ökonomischen Lebenszyklusbewertung. MnBi punktet vor allem dort, wo moderate Leistungsanforderungen gelten, etwa in bestimmten Industriemotoren, nicht aber in Hochtemperaturanwendungen mit extremen Energiedichten.

Eisennitrid in der Form α"-Fe16N2 verspricht theoretisch deutlich mehr. Das ADPIN-Projekt beschreibt dieses Material als REE-freien Permanentmagnetwerkstoff mit einer berichteten theoretischen Magnetisierung von rund 2,8 Tesla, einem Wert, der laut Projektbeschreibung über dem heutiger NdFeB-Magnete liegt. Der limitierende Schritt ist allerdings die großtechnische Herstellung des magnetischen Pulvers in gleichbleibender Qualität. Die kommerzielle Skalierung steht noch aus.

Tetrataenit, eine natürlich in Meteoriten vorkommende Eisen-Nickel-Phase, wird seit einigen Jahren aktiv erforscht. Frühere Berichte über eine einfache, schnelle Synthese im Labor wurden inzwischen revidiert, was zeigt, wie vorsichtig man frühe Durchbruchsmeldungen in diesem Feld lesen sollte. Ein industrieller Herstellungsprozess existiert für Tetrataenit bislang nicht.

Zusammengefasst:

  • MnBi: am weitesten entwickelt, DOE-gefördert, geeignet für moderate Leistungsklassen.
  • α"-Fe16N2: hohes theoretisches Potenzial, aber die Pulverherstellung bremst die Skalierung.
  • Tetrataenit: vielversprechend, jedoch ohne belastbaren industriellen Prozess.

Die pragmatische Einschätzung für Beschaffer und Konstrukteure: Die Kandidaten befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Für Hochtemperatur- und Hochleistungsanwendungen, wie sie in Traktionsmotoren oder Windturbinen gefragt sind, bleibt die breite industrielle Substitution mittelfristig begrenzt.

Recycling und Kreislaufwirtschaft als Ersatzstrategie

Während Materialsubstitution noch an der Pulverproduktion und Prozessstabilität hängt, liefert Recycling bereits heute einen messbaren Beitrag. Zwei grundsätzlich unterschiedliche Ansätze stehen zur Verfügung.

  1. Funktionales Recycling (short loop): Altmagnete werden mechanisch oder chemisch aufbereitet, ohne die Legierung vollständig in ihre Elemente zu zerlegen. Das Ergebnis sind Rezyklate, die direkt wieder zu Magneten verarbeitet werden können.
  2. Elementares Recycling (long loop): Hier werden die einzelnen Seltenerdelemente chemisch aus dem Altmaterial zurückgewonnen und fließen in die Neuproduktion von Legierungen ein, meist mit höherem energetischem und chemischem Aufwand.

Fraunhofer-Forschung zeigt, dass funktionales Recycling prinzipiell magnetische Eigenschaften ausreichend erhalten kann: Rezyklate erreichen in Demonstratoren vergleichbare Leistungen wie neu produzierte Magnete. Das Fraunhofer-Leitprojekt zur Kritikalität Seltener Erden nennt als Zielwert eine Beimischung von rund 10 Prozent recycelter Magnete zur Primärproduktion, ohne dass die Magneteigenschaften spürbar leiden.

Die Hürden sind allerdings real. Sammlung und Demontage von Altgeräten sind aufwendig, weil Magnete oft tief in Baugruppen verbaut sind. Sortierung nach Legierungstyp erfordert Fachwissen, und die Qualität schwankender Altmaterialströme macht eine gleichbleibende Produktqualität schwierig. Hinzu kommt, dass die industriellen Recyclingraten für Seltenerdmagnete in Teilen Europas derzeit bei unter einem Prozent liegen, trotz des technischen Potenzials.

Eingebettete Magnete in ungleichmäßige Recyclingströme getrennt

Profi-Tipp: Prüfen Sie zuerst, ob funktionales Recycling für Ihre Anwendung ausreicht, bevor Sie in aufwendigere elementare Rückgewinnung investieren.

Für die Umwelt- und Kostenbilanz lohnt sich der Blick auf geeignete Prozesse besonders dort, wo Altmagnete in großen Stückzahlen und einheitlicher Bauform anfallen, etwa in Elektromotoren aus Industrieanlagen. Dort sinkt der Aufwand für Sortierung und Demontage deutlich gegenüber gemischten Elektroschrottströmen.

Stand der Forschung, Förderprojekte und Skalierbarkeit

Mehrere staatlich geförderte Projekte zeigen, wo die Substitutionsforschung heute konkret steht, und wo die Grenzen liegen.

Das ADPIN-Projekt verfolgt drei aufeinanderfolgende Produktionsschritte zur Herstellung von α"-Fe16N2-Pulver und benennt die großskalige Pulverherstellung explizit als limitierenden Faktor auf dem Weg zur kommerziellen Produktion. Parallel dazu fördert das US-Energieministerium ein Projekt, an dem unter anderem ABB beteiligt ist, zur Entwicklung polymergebundener Mn-Bi-Magnete, mit Tests in echten Motorrotoren sowie begleitenden techno-ökonomischen und Lebenszyklusanalysen.

Beide Projekte zeigen ein ähnliches Muster:

  • Die Grundchemie der Ersatzmaterialien ist weitgehend verstanden.
  • Materialstabilität unter realen Betriebsbedingungen ist der nächste kritische Prüfschritt.
  • Produktionskapazität für hochwertiges Pulver bleibt der größte Engpass.
  • Bindungs- und Beschichtungsprozesse müssen für die Serienfertigung noch angepasst werden.

Die Konsequenz für Anwender: Erste kommerzielle Einsätze dieser Materialien könnten dort auftreten, wo die Temperatur- und Leistungsanforderungen moderat sind, etwa in bestimmten Industriemotoren oder Nischenanwendungen, und nicht sofort in Hochleistungstraktionsmotoren oder Direktantrieben für Windkraft. Wann eine breite Marktdurchdringung in anspruchsvollen Segmenten erreicht wird, ist ungewiss.

Was Ingenieure und Beschaffungsteams jetzt tun sollten

Die gute Nachricht: Man muss nicht auf den industriellen Durchbruch bei MnBi oder Eisennitrid warten, um etwas zu unternehmen. Es gibt Schritte, die sich schon heute umsetzen lassen.

Kurzfristig lohnt sich eine Bestandsaufnahme der eigenen Magnetanwendungen nach Temperatur- und Leistungsanforderung. Bauteile mit moderaten Anforderungen sind die besten Kandidaten für erste Substitutions- oder Rezyklat-Versuche, während hochbelastete Komponenten vorerst bei bewährten NdFeB-Legierungen bleiben sollten.

  • Priorisieren Sie Anwendungen nach Temperaturklasse und Energiedichte, bevor Sie Substitute testen.
  • Setzen Sie Rezyklate dort ein, wo Qualitätssicherung bereits etabliert ist.
  • Beteiligen Sie sich an Demonstrationsprojekten, um frühzeitig Praxiserfahrung zu sammeln.
  • Bauen Sie Rückführungsprozesse und Lieferantenpartnerschaften für Altmagnete systematisch auf.

Mittelfristig zahlt sich die Teilnahme an Demonstrationsprojekten aus, weil sie Zugang zu Testdaten und Praxiserfahrung verschafft, die intern sonst fehlen würden. Parallel dazu sollten Beschaffungsteams eigene Rückführungsprozesse für Altmagnete aufbauen und Lieferantenpartnerschaften für Rezyklate aufsetzen, statt erst zu reagieren, wenn Materialengpässe akut werden.

Organisatorisch gehört dazu ein strukturiertes Risiko-Monitoring, das Lebenszyklusanalysen und die Bewertung laufender Substitutionspilotprojekte einschließt. Wer diese Informationen zentral bündelt, kann Entscheidungen über Materialwechsel deutlich schneller treffen als Teams, die bei jeder Preisschwankung neu recherchieren müssen.

Profi-Tipp: Pilotieren Sie neue Substitute zuerst in Anwendungen mit geringeren thermischen Anforderungen, dort sind die Ausfallrisiken am kleinsten.

Aktuelle Markt- und Versorgungssituation seltener Erden und deren Auswirkungen auf die Notwendigkeit von Ersatzstoffen

Die Dringlichkeit, nach Ersatzstoffen zu suchen, hängt direkt mit der Konzentration der Förderung und Verarbeitung Seltener Erden zusammen. Der Global Critical Minerals Outlook der Internationalen Energieagentur ordnet kritische Rohstoffe als zentralen Risikofaktor für die Energiewende ein, weil Angebot und Nachfrage in vielen Marktsegmenten eng beieinander liegen.

Besonders betroffen sind schwere Seltene Erden wie Dysprosium, die benötigt werden, um NdFeB-Magnete bei Betriebstemperaturen über rund 80 Grad Celsius stabil zu halten. Die Elektromobilität und der Ausbau von Windkraftanlagen treiben die Nachfrage nach genau diesen Magnettypen weiter, was den Druck auf die Versorgungskette erhöht.

Für Beschaffungsteams bedeutet das: Die Frage ist nicht mehr, ob man sich mit Alternativen beschäftigen sollte, sondern wie schnell man ein Portfolio an Gegenmaßnahmen aufbaut. Wer nur auf einen stabilen Weltmarktpreis für Neodym und Dysprosium hofft, geht ein Risiko ein, das sich in den letzten Jahren wiederholt als teuer erwiesen hat. Eine Mischung aus Substitution, Recycling und Designoptimierung reduziert diese Abhängigkeit, selbst wenn kein einzelner Baustein kurzfristig den gesamten Bedarf decken kann.

Wirtschaftliche Aspekte von Ersatzstoffen: Kostenvergleich und volkswirtschaftliche Auswirkungen

Ersatzmaterialien sind selten von Anfang an günstiger als etablierte NdFeB-Magnete, zumindest nicht in der aktuellen Entwicklungsphase. Die techno-ökonomischen Analysen, die im Rahmen der DOE-geförderten MnBi-Projekte durchgeführt werden, untersuchen genau diesen Punkt: ob polymergebundene Mn-Bi-Magnete über den gesamten Lebenszyklus wirtschaftlich konkurrenzfähig werden können, inklusive Produktionskosten, Beschichtung und Integration in Motoren.

Volkswirtschaftlich betrachtet, liegt der Wert von Ersatzstoffen weniger in einem sofortigen Preisvorteil als in der Reduktion von Versorgungsrisiken. Ein Unternehmen, das bei einem plötzlichen Preissprung für Dysprosium auf ein substituierbares Material oder auf Rezyklate zurückgreifen kann, vermeidet Produktionsausfälle, die oft teurer sind als ein moderater Materialmehrpreis. Fraunhofer-Forschung zur Kritikalität Seltener Erden unterstreicht genau diesen Punkt: Kombinierte Strategien aus Effizienz, Recycling und Substitution zahlen sich volkswirtschaftlich vor allem über geringere Importabhängigkeit aus.

Für einzelne Unternehmen lohnt sich daher eine Betrachtung, die über den reinen Materialpreis hinausgeht: Lieferausfallrisiko, Lagerkosten für Pufferbestände und die Kosten eines ungeplanten Produktionsstopps gehören in dieselbe Kalkulation wie der Preis pro Kilogramm Magnetmaterial.

Politische und geopolitische Einflüsse auf die Verfügbarkeit seltener Erden und Ersatzstoffe

Die Konzentration der Verarbeitung Seltener Erden auf wenige Länder macht die gesamte Lieferkette anfällig für politische Entscheidungen, von Exportkontrollen bis zu Zöllen. Genau diese Anfälligkeit ist einer der Hauptgründe, warum staatliche Förderprogramme wie die DOE-finanzierten MnBi- und Eisennitrid-Projekte überhaupt aufgelegt wurden: Ziel ist eine Diversifizierung der Lieferketten, die nicht allein von einzelnen Förderländern abhängt.

Die Debatte um kritische Rohstoffe hat deshalb längst eine geopolitische Dimension bekommen, die über reine Materialwissenschaft hinausgeht. Förderentscheidungen, Exportbeschränkungen und Investitionsprogramme einzelner Staaten wirken sich direkt auf Preise und Verfügbarkeit aus, oft schneller, als neue Minen erschlossen oder neue Substitutionsmaterialien industriell reif werden können. Für Unternehmen bedeutet das: Politische Risiken lassen sich nicht wegplanen, aber sie lassen sich durch Diversifizierung der Bezugsquellen und durch eigene Substitutions- und Recyclingkapazitäten abfedern.

Wer sich ausschließlich auf eine einzige Förderregion oder einen einzigen Lieferanten verlässt, trägt ein Konzentrationsrisiko, das sich in den vergangenen Jahren mehrfach in abrupten Preissprüngen gezeigt hat. Ein strukturiertes Monitoring politischer Entwicklungen gehört deshalb in dieselbe Risikobewertung wie die technische Reife von Ersatzmaterialien.

Compliance-Anforderungen und regulatorische Rahmenbedingungen beim Einsatz von Ersatzstoffen

Der Einsatz von Ersatzstoffen für Seltene Erden entbindet Unternehmen nicht von regulatorischen Pflichten, im Gegenteil: Neue Materialien und neue Lieferketten müssen oft genauso dokumentiert und geprüft werden wie die bisherigen. In der Europäischen Union betrifft das vor allem Sorgfaltspflichten entlang der Lieferkette für kritische Mineralien, wie sie etwa im Rahmen der EU-Sorgfaltspflichtenrichtlinie für Unternehmen festgelegt werden.

Wer von einem etablierten NdFeB-Lieferanten auf ein neues Substitutionsmaterial oder auf Rezyklate umstellt, muss die neue Lieferkette ebenso dokumentieren wie die alte: Herkunftsnachweise, Due-Diligence-Berichte und, je nach Branche, Nachweise zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards. Welche Pflichten gelten, hängt vom jeweiligen Regelwerk und der betroffenen Lieferkette ab. Unternehmen sollten die anwendbaren Anforderungen anhand offizieller Quellen prüfen.

Für Beschaffungsteams heißt das praktisch: Ein Substitutionsprojekt ist kein rein technisches Vorhaben, sondern hat von Anfang an eine Compliance-Komponente. Wer das frühzeitig mitdenkt, vermeidet, dass ein technisch vielversprechendes Pilotprojekt später an fehlender Dokumentation scheitert.

Best Practices bei der Implementierung von Ersatzstoffen in verschiedenen Industrien

Die Branchen, die mit Seltenerdmagneten arbeiten, gehen unterschiedlich an das Thema Substitution heran, je nachdem, wie kritisch Temperatur- und Leistungsanforderungen für ihre Produkte sind.

In der Industriemotorenfertigung werden MnBi-basierte Ansätze in DOE-geförderten Projekten untersucht. Ob sie für bestimmte Anwendungen geeignet sind, muss sich in Tests zeigen. In der Elektromobilität können Designoptimierung und der gezielte Einsatz von Recyclingmaterial Ansätze sein, während eine vollständige Substitution noch Zukunftsmusik ist. In der Windkraftindustrie kann funktionales Recycling eine Option sein, wenn Magnete zurückgewonnen und aufbereitet werden können.

Eine Best Practice, die branchenübergreifend funktioniert, ist die frühe Einbindung der Konstruktionsabteilung in Beschaffungsentscheidungen: Wer schon in der Designphase mit reduziertem Dysprosiumanteil oder recyclingfreundlicher Bauweise plant, hat später deutlich mehr Spielraum bei der Materialwahl. Ebenso bewährt hat sich eine klare Priorisierung, welche Bauteile für erste Substitutionsversuche infrage kommen und welche vorerst bei bewährten Legierungen bleiben müssen.

Autorperspektive: Warum ein dreisäuliger Ansatz sinnvoll ist

Die Erwartung, ein einzelnes Wundermaterial werde Seltene Erden kurzfristig ersetzen, hält der Praxis bislang nicht stand. Substitution ist notwendig, aber für sich genommen nicht ausreichend, und genau deshalb empfiehlt Fraunhofer eine Kombination aus Effizienz, Recycling und Substitution statt eines einzigen Hebels. Staatliche Förderprogramme wie die DOE-finanzierten MnBi- und Eisennitrid-Projekte beschleunigen die Forschung spürbar, liefern aber keine sofortige Komplettlösung für alle Anwendungsfälle.

Für Beschaffungsteams bedeutet das vor allem eines: Wer wartet, bis ein Ersatzmaterial fertig entwickelt ist, verschenkt wertvolle Zeit. Proaktives Monitoring von Materialrisiken und die frühe Teilnahme an Pilotprojekten verschaffen einen Vorsprung, der sich auszahlt, sobald der nächste Preisschock kommt, nicht erst danach.

— Finn

Kurz: Wie ZRG Mineral Beschaffungsteams unterstützen kann

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Wer die oben beschriebenen Strategien im eigenen Unternehmen umsetzen will, braucht vor allem eines: verlässliche Vorwarnzeit. Wir liefern genau das mit prädiktiven Frühwarnungen bis zu acht Wochen im Voraus, kombiniert mit einer Substitution Engine, die konkrete Handlungsalternativen bei Versorgungsrisiken aufzeigt, statt Beschaffungsteams erst reagieren zu lassen, wenn der Lieferant bereits in Verzug ist.

  • Prädiktive Frühwarnungen vor Preissteigerungen und Marktveränderungen.
  • Substitution Engine zur Bewertung von Materialalternativen bei drohenden Engpässen.
  • Compliance Pack und Sourcing Pack für dokumentierte Due Diligence nach CRMA- und LkSG-Anforderungen.

Wer unverbindlich testen möchte, wie das in der eigenen Beschaffung aussieht, findet im Risk Terminal Pilot einen Einstieg. Für Teams, die direkt die vollständige Plattform nutzen wollen, lohnt sich ein Blick auf unsere Preisübersicht mit Compliance Pack und Sourcing Pack.

FAQ

Können Seltene Erden vollständig ersetzt werden?

Nein, ein vollständiger Ersatz ist derzeit nicht realistisch. Materialien wie MnBi und α"-Fe16N2 zeigen Potenzial für bestimmte Anwendungen, aber für Hochleistungs- und Hochtemperaturanwendungen bleibt die breite Substitution mittelfristig begrenzt.

Was ist der Unterschied zwischen funktionalem und elementarem Recycling?

Funktionales Recycling bereitet Altmagnete auf, ohne die Legierung chemisch zu zerlegen, während elementares Recycling die einzelnen Elemente aus dem Material zurückgewinnt. Fraunhofer-Forschung zeigt, dass funktionales Recycling in Demonstratoren vergleichbare Leistungen erreichen kann wie neu produzierte Magnete.

Welche Materialien gelten als vielversprechendste Ersatzstoffe für NdFeB-Magnete?

Mangan-Bismut-Legierungen und Eisennitrid in der Form α"-Fe16N2 gelten aktuell als die am weitesten erforschten Kandidaten. Das ADPIN-Projekt berichtet für α"-Fe16N2 eine theoretische Magnetisierung von rund 2,8 Tesla, die großtechnische Pulverherstellung bleibt jedoch der limitierende Faktor.

Wie können Unternehmen ihr Risiko bei Materialengpässen senken?

Ein proaktives Monitoring der Lieferkette mit frühzeitigen Warnsignalen hilft, auf Preissteigerungen zu reagieren, bevor sie akut werden. Plattformen wie unsere liefern dafür Frühwarnungen mit bis zu acht Wochen Vorlauf sowie Handlungsalternativen über eine Substitution Engine.

Welche regulatorischen Pflichten gelten beim Einsatz von Ersatzmaterialien?

Unternehmen müssen die Herkunft neuer Materialien und Lieferketten genauso dokumentieren wie bei etablierten Seltenerdmagneten, etwa im Rahmen der EU-Sorgfaltspflichtenrichtlinie. Das gilt besonders für Unternehmen, die unter den Critical Raw Materials Act oder vergleichbare Regelwerke fallen.

Quellen